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Sicherung sowie Erweiterung Spülfläche und Biotop "Am Stau"

Seit über 20 Jahren ist das Spülfeld „Am Stau“ der wichtigste Verbringungsort für Baggergut aus Unterhaltungsbaggerungen der Lübecker Häfen, Sportbootanlagen, wasserbezogenen Gewerbebetrieben und sonstigen Gewässern. Das Baggergut aus Unterhaltungsbaggerungen kann alternativ weder an Land noch im Wasser wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll verbracht werden.

 

Panorama Juni 2013 

Panorama Spülfläche und Biotop "Am Stau" Juni 2013

Im Bereich der Untertrave gibt es heute nur noch wenige Gebiete, die für Wasservögel und Limikolen (Watvögel) als Rast-, Überwinterungs- und Brutgebiet von überregionaler Bedeutung sind. Das Biotop „Am Stau“ ist eines der größten Watvogelrastplätze im holsteinischen Binnenland und ein überregional bedeutendes Glied einer Kette von Durchzugs- und Rastgebieten für Zugvögel. Deshalb ist es Teil des Vogelschutzgebietes DE 2031-401, Biotopverbundfläche gemäß §1 Abs. 4 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) und ein geplanter geschützter Landschaftsbestandteil gemäß § 21 LNatSchG. Als Bestandteil der Untertrave hat es die Qualität eines Feuchtgebietes von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention vom Februar 1971. Die mit dem Spülfeld im Zusammenhang stehende weitgehende Isolierung und der restriktive Spülfeldbetrieb bieten unter anderem einer Vielzahl von Wasservögeln und Limikolen einen äußerst wertvollen Lebensraum im Traveästuar. Von besonderem ökologischem Interesse ist der stetige Wasserstandswechsel im Spülfeld, der in Abhängigkeit von den Aufspülungen, Jahreszeiten und den Niederschlägen eine ausgeprägte Wechselwasserzone ähnlich einem Windwatt schafft und stetig verändert. Als Biotop in dieser Form und Ausdehnung ist dieser ohnehin äußerst seltene Lebensraum im Bereich der Trave einzigartig.

Sandregenpfeifer

Sandregenpfeifer

 

 

 

 

 

 

 

Sandregenpfeifer

Die Gesamtkapazität der Spülfläche beträgt noch ca. 40.000 m³ Baggergut, das heißt, ohne eine weitere Erhöhung der Spülfelddämme (zur Zeit NN + 5,70 m) erschöpft sich die Kapazität der Spülfläche in etwa 4 Jahren. Weitere Aufspülungen führen dann zu einer stetigen Verringerung der freien Wasserfläche. Wird die Spülfeldtätigkeit aufgrund fehlender Kapazitäten mittelfristig eingestellt, entwickelt sich das Biotop „Am Stau“ analog dem gegenüberliegenden ehemaligen Spülfeld „Kattegatt“. Die Bedeutung als Rast-, Brut- und Überwinterungsgebiet für Limikolen und Wasservögel geht dann auch hier verloren.

Windwatt am Stau

Windwatt am Stau

Die Sicherung und Erweiterung der Spülfläche „Am Stau“ erfolgt über zwei wasserrechtliche Genehmigungsverfahren. Eine im Januar 2013 beantragte Erlaubnis gemäß § 8 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) wird den von der LPA durchgeführten Spülfeldbetrieb mit ökologischen und betrieblichen Schwerpunkten neu regeln. Der Spülbetrieb ist für den Erhalt des Biotops als Lebensraum für einige Brutvögel und vor allem als Rast- und Nahrungsfläche für Limikolen von entscheidender Bedeutung und damit gemäß § 8 (1) LNatSchG eine Maßnahme zur Herstellung, Pflege und Entwicklung der Flächen im Sinne des Naturschutzes. Werden zukünftig während einer Aufspülkampagne in der Klassierstrecke des Baggergutes bzw. im Bereich des Ablaufwassers gefährdete Brutgelege festgestellt, sind die Aufspülungen zeitlich zu verschieben oder örtlich zu verlagern. Die untere Wasserbehörde (UWB) und die untere Naturschutzbehörde (UNB) erarbeiten zur Zeit die Genehmigungen, mit der wasser- und naturschutzrechtlichen Erlaubnis wird Ende 2013 gerechnet.

 

Mit Blick auf das in etwa 4 Jahren erschöpfte Gesamtaufspülvolumen werden zur Zeit Genehmigungsgrundlagen für eine Plangenehmigung im Sinne des § 68 Abs. 2 und 3 WHG erarbeitet. Zentraler Bestandteil der Sicherung des Spülfeldes und des Biotops ist eine Dammerhöhung auf der Innenseite des Spülfeldes in Abschnitten über einen Zeitraum von 3 Jahren um insgesamt 1,50 m.

 

Lagaplan Ausbau / Sicherung StauLayout Ausbau / Sicherung (Link zum PDF über das Bild) 

 

 

Für die Plangenehmigungsunterlagen werden zur Zeit umfangreiche Kartierungen der Brutvögel, Amphibien, Reptilien, Biotoptypen und eventuell der Insekten sowie darauf aufbauend eine FFH - Verträglichkeitsprüfung durchgeführt. Durch diverse Maßnahmen wird die ökologische Bedeutung des Biotops „Am Stau“ wesentlich und nachhaltig gesteigert. Nach Abschluss der Dammerhöhung wird sich ein besonderes Wasserregime im Spülfeld unterschiedliche Wasserstände an optimale Bedingungen während des Vogelzuges und in der Brutperiode einstellen. Eine zentrale Brutinsel im Spülfeld oder Brutflöße werden einer Vielzahl von Wasservögeln ein störungsarmes Brutrevier ohne natürliche Räuber bieten. Für die laufende Unterhaltung der Spülfelddämme wird unter anderem „Treibsel“ verwendet, ein Sand – Seetang – Gemisch, das bei der Strandunterhaltung anfällt. Im „gereiften“ Zustand wird für dieses Material eine ökologisch optimale und nachhaltige Verwertung als Dammbaustoff gefunden, das im Vergleich erhebliche Kosten und unnötigen Aufwand spart. Die Sicherung des Spülfeldes und des Biotops „Am Stau“ hat Pilotcharakter. Die Erfahrungen bei der Planung und der Umsetzung werden für Folgeprojekte wie zum Beispiel für eine mögliche Reaktivierung des ehemaligen Spülfeldes „Kattegatt“ benötigt.

 

Kiebitz

Lachmöwe

Ebenfalls Gäste am Stau: Kiebitz und Lachmöwe

 

Die Umsetzung der Maßnahme mit einem Kostenumfang von ca. 1,4 Mio. EUR beginnt im nächsten Jahr und wird 2017 bzw. 2018 abgeschlossen. So gut wie alle Baumaßnahmen werden mit Personal und Gerät der LPA umgesetzt. Die Sedimente für die Dammerhöhung (ca. 30.000 m³) werden ausschließlich im Spülfeld gewonnen.